Von:
Peter Bertram

e-seelsorge.de

Es gibt viel Sprachlosigkeit unter uns Menschen. Bisweilen verbirgt sie sich auch hinter großer Geschwätzigkeit: Da redet einer dauernd, aber von sich, was ihn wirklich bewegt und was er meint, wie es ihm geht, darüber schweigt er. Sprachlosigkeit kann sich aber auch entwickeln, wenn die Sorgen und Ängste von Menschen ungehört bleiben.

In vielen Berichten des Neuen Testamentes wird Jesus als aufmerksamer Zuhörer, Helfer und Arzt geschildert. Offensichtlich haben die Menschen ihn als jemanden wahrgenommen, der ihre körperlichen und seelischen Nöte heilen kann.

Im Markusevangelium (Mk 7,31-37) wird von einem Mann erzählt, der von Taubheit und Sprachlosigkeit getroffen ist. Synonyme für mehr als nur körperliche Gebrechen. Menschen ergreifen in der Geschichte die Initiative und sprechen für den, der es selber nicht kann. Sie bitten: „Jesus, lege ihm die Hände auf.“

Heilung durch menschliche Nähe, durch Berührung heißt ihre Hoffnung. Jesus nimmt den Taubstummen beiseite, weg von der Menge. Er verschafft ihm zunächst einen Schutzraum, wo das Gerede und die Neugier der Anderen nicht hin reicht: „Jetzt geht es nur um dich. Nichts und niemand ist im Augenblick wichtiger als du.“

Eine Seelsorge-Begegnung, Vorbild für jede Form von Seelsorge und Therapie, Pflege und Medizin. Da nimmt sich einer oder eine Zeit, ist einfach ganz da, in der Nähe und erreichbar, hält mich und meine Fragen aus. Mitten im Leben. In Freud und Leid. Ein Mit-Mensch, der mich mit allen Sinnen wahrnimmt und dabei verschwiegen ist.

Wie im Evangelium geschieht Heilung oft in der besonderen Art und Weise von Begegnungen: Der Weg in die Zukunft öffnet sich. Wunderbar.